Lenovos aufrollbarer Laptop im Test: Verwandelt er die Zukunft der PCs?
Lenovos Prototyp rollt auf Knopfdruck zu einem größeren Display aus. Mein Hands-on: Stärken, Schwächen und wer davon wirklich profitiert.
Vorteile
- Beeindruckender aufrollbarer Mechanismus
- Hohes OLED-Display – ein Traum für Produktivität
- Elegantes, hochwertiges Design im ThinkPad-Stil
- Nahtloser Übergang zwischen Bildschirmmodi
Nachteile
- Leichtes Flackern des Bildschirms im erweiterten Modus
- Für grafikintensive Anwendungen nicht optimal
- Die Akkulaufzeit könnte im vollständig ausgefahrenen Zustand besser sein
Zwischen faltbaren Geräten, Dual-Screens und transparenten Displays sticht Lenovos aufrollbarer Laptop-Prototyp besonders hervor. Seit dem ersten Teaser auf der CES 2023 ist das Konzept nun öffentlich, und ich konnte es selbst ausprobieren, um zu prüfen, ob das „Scroll-to-Expand“-Versprechen wirklich hält.
Schauen wir uns an, wie es sich anfühlt, einen Laptop zu nutzen, der sich buchstäblich vor Ihren Augen nach oben entfaltet.
Design und Verarbeitung: Wo Sci‑Fi auf das echte Leben trifft

Auf den ersten Blick wirkt der aufrollbare Lenovo-Laptop wie ein klassisches ThinkPad-Design mit einem 12,7‑Zoll-Formfaktor – matt-schwarz, dezent und geschäftstauglich. Drückt man eine Taste am Tastaturdeck, entfaltet sich der Bildschirm: Innerhalb von Sekunden rollt er zu einem 15,3‑Zoll-Hochformatdisplay auf.
Die Verwandlung wirkt beim ersten Mal wie Magie. Mechanisch gleitet das OLED-Panel auf einem robusten internen Rollsystem und wird von Carbonfaser‑Streben gestützt. Ein leises Surren ist hörbar, aber die Technik wirkt durchdacht und stabil.
Es bleibt ein Prototyp: Das Gehäuse erscheint etwas dicker als erwartet und mit knapp unter 1,4 Kilogramm ist es kein echtes Ultralight. Dafür bekommt man aber ein Gerät, das sich wie ein kleiner Optimus Prime verwandelt — ein fairer Kompromiss.
Display: Groß, lebendig und überraschend praktisch

Ausgerollt liefert das OLED-Panel 2024 × 2368 Pixel — hochformatig, scharf und mit satten, kräftigen Farben. Die Helligkeit reicht für die meisten Umgebungen, und die HDR-Unterstützung macht das Display vielseitig fürs Streamen und Multitasking.
Das im erweiterten Modus fast quadratische Seitenverhältnis von etwa 4:3 ist besonders nützlich für:
- Programmierer und Entwickler (mehr vertikaler Raum für Code)
- Schriftsteller und Redakteure (weniger ständiges Scrollen)
- Web‑Browsing und Dokumentenansicht (mehr Inhalt oberhalb des Falzes)
Doch es ist nicht perfekt: Der obere Teil des Bildschirms ist dünn und flexibel, sodass er bei kräftigem Tippen etwas nachschwingen kann. Für Touch‑Eingaben oder Stifteinsatz eignet sich das Gerät nur, wenn es komplett ausgefahren ist.
Leistung und Technik (Prototyp‑Beschränkungen beachten)

Mein Testgerät war mit einem Intel Core Ultra 7, 16 GB RAM und einer 1 TB SSD bestückt. Bootzeiten waren flott und Anwendungen starteten ohne Verzögerung — trotzdem würde ich es weder als Gaming‑Maschine noch als vollwertige Workstation bezeichnen.
Lenovo hat Spezifikationen und Preise noch nicht finalisiert, positioniert das Gerät aber klar als High‑End‑Produktivitätsgerät – ideal für Premium‑Business‑User und Kreative, die unterwegs mehr Fläche brauchen.
Der Haken: Die Wärmeverwaltung in so einem dynamischen Gehäuse ist eine Herausforderung. Beim intensiven Multitasking schnellt der Lüfter hoch, und der obere, aufgerollte Bereich wurde spürbar warm. Nicht kritisch, aber bemerkenswert.
Akkulaufzeit: Ein Balanceakt
Das Aufrollen des Displays kostet zusätzlich Energie – Lenovo weiß das. Offizielle Laufzeiten fehlen noch, bei meiner Nutzung (Streaming, Surfen, leichte Bearbeitung) erreichte das Gerät rund 6 Stunden im ausgefahrenen Zustand und über 9 Stunden im kompakteren Modus.
Keine Rekordwerte, aber angesichts der gebotenen Funktionen respektabel. An Verbesserungen in der finalen Version ist zu erwarten.
Einsatzszenarien: Für wen macht das Sinn?
Die Frage „Warum brauche ich einen aufrollbaren Laptop?“ ist berechtigt. Nach dem Hands‑on fallen mir jedoch einige überzeugende Anwendungsfälle ein:
- Berufstätige unterwegs, die Portabilität wollen, aber mehr Bildschirmfläche benötigen
- Multitasker, die es satt haben, ständig Fenster neu zu skalieren
- Kreative, die von einer vertikalen Arbeitsfläche profitieren
- Präsentatoren und Verkäufer – dieses Gerät zieht Blicke an
Trotzdem ist das noch kein Massenprodukt. Zunächst richtet es sich an Early Adopters, Technikfans und fachkundige Profis, die Neues ausprobieren möchten.
Abschließende Gedanken: Mehr als nur ein Gimmick
Lenovos aufrollbarer Laptop ist mehr als ein netter Partytrick — er ist eine mutige Vision dessen, wohin mobile Computer gehen können. Sicher, er ersetzt nicht automatisch Ihr MacBook oder Dell XPS, aber er zeigt, dass statische Rechtecke nicht die einzige Option sein müssen.
Das ist Innovation mit einem praktischen Ziel: Mehr Bildschirm in weniger Platz unterzubringen.
Ob die Technologie massentauglich wird, bleibt offen. Klar ist: Lenovo verschiebt Grenzen — und ich bin gespannt, wie sich das weiterentwickelt.
Würde ich ihn kaufen?
Wenn die finale Version unter 2.500 $ liegt, die Wärmeprobleme verbessert und die Akkulaufzeit optimiert wird — und ich gern den coolsten Laptop im Café hätte — dann wäre das ein klares „vielleicht“.